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Woher kommen die unterschiedlichen Typen?

Die Wiege der Menschheit liegt in Afrika. Gehen wir ca. 200.000 Jahre zurück - der Homo sapiens hat sich gerade in den Steppengebieten Ostafrikas entwickelt und beginnt nun von hier aus, über die nächsten Jahrtausende hinweg, die restliche Welt zu besiedeln. Sein Weg führt ihn dabei über die verschiedenen Kontinente in die unterschiedlichsten Klimazonen.

Stoffwechseltyp Analyse / Metabolic Typing ... gesunde und typgerechte Ernährung

Da bisher weder Ackerbau noch Viehhaltung erfunden sind, muss er von dem leben, was vor Ort zur Verfügung steht und was sich leicht sammeln oder erjagen lässt. Und dieses Angebot ist je nach geographischer Lage und klimatischen Bedingungen sehr unterschiedlich.

Ein Beispiel: Vor 90.000 Jahren erreicht eine Gruppe unserer Vorfahren das südliche Indien. Es ist heiß, die Vegetation dicht und üppig. Jagd auf Tiere ist zwar möglich, aber das Angebot an Früchten, Wurzeln und Gemüse ist reichhaltig und es ist leichter, den Hunger überwiegend mit diesen leicht erhältlichen Nahrungsmitteln zu stillen, statt die Gefahren und Strapazen der Jagd auf sich zu nehmen. Also fällt die Ernährung sehr kohlenhydratreich und eher eiweißarm aus. Alle werden satt - gut und schön. Doch welche Auswirkungen hat diese einseitige, kohlenhydratlastige Ernährung auf unseren Körper?

Hierzu ein kleiner Abstecher: Unser Körper besitzt unterschiedliche Mechanismen, die das Gleichgewicht aller Funktionen und Abläufe in seinem Inneren konstant halten sollen, die sogenannten "Homöostatischen Kontrollsysteme". Eines der wichtigsten ist das Autonome Nervensystem. Es läuft vollkommen eigenständig ohne unsere bewusste Kontrolle - deswegen "autonom" - ab. Es regelt alle vitalen Überlebensfunktionen in unserem Körper (Atmung, Herzschlag, Hunger, Durst, Müdigkeit aber auch instinktiv angeborene Verhaltensweisen wie z.B. Angriffs- oder Fluchtverhalten). Dieses Autonome Nervensystem lässt sich aufteilen in zwei verschiedene Partner, den Sympathikus und den Parasympathikus.
Beide haben entgegengesetzte, aber sich gegenseitig ergänzende und ausgleichende Wirkungen im Körper. Sympathikus wirkt aktivierend, und trimmt den Körper auf Höchstleistung. Der Parasympathikus bringt uns wieder zur Ruhe. Man kann sich dies bildlich vorstellen wie die beiden Seiten einer Waage. In diesem Beispiel halten sich beide Partner die Waage - sie pendeln um die Mitte. Der Körper befindet sich im Gleichgewicht. Optimale Voraussetzung für ein langes, gesundes und vitales Leben. Kohlenhydratreiche Nahrungsmittel regen den Parasympatikus an, machen ihn "stärker" und aktiver. Da in unserem Beispiel in Südindien Kohlenhydrate in der täglichen Ernährung überwiegen, wird der Sympathikus zwar auch etwas angeregt, aber deutlich weniger als sein Gegenspieler - er bleibt somit schwächer als der Parasympathikus.
Zur Verdeutlichung verwenden wir wieder das Bild der Waage: Der Parasympathikus wird durch die größere Menge an Kohlenhydraten aktiver, die Waage gerät aus dem Gleichgewicht. Ein solches Ungleichgewicht bedeutet auf Dauer natürlich auch, dass das Autonome Nervensystem das innere Gleichgewicht nicht zuverlässig aufrecht erhalten kann. Dies wirkt sich auf alle möglichen Bereiche des Stoffwechsels aus. Ein Stoffwechsel, der nicht gut reguliert wird, kann nicht optimal arbeiten und kann daher nicht alle Aufgaben erfüllen, die zur Erhaltung von guter Gesundheit, hoher Energie, Leistungsfähigkeit und Idealgewicht und damit für ein langes gesundes Leben nötig sind. Hierzu aber später noch mehr.

Kommen wir zurück zu unserem Beispiel: Wir sind immer noch 90.000 Jahre in der Vergangenheit, im südlichen Indien. Das örtliche Nahrungsmittelangebot führt zu einem Ungleichgewicht im Stoffwechsel - und fördert Krankheiten.

In einer solchen Situation gibt es auf Dauer nur zwei Möglichkeiten: - die Population stirbt aus oder - die Population passt sich den örtlichen Bedingungen an.
Natürlich finden wir heute nur noch die Nachfahren jener, die sich angepasst haben. Doch welche Möglichkeiten der Anpassung hatte diese Population? Wären ihr die Zusammenhänge bewusst gewesen, hätte sie mehr Eiweiß erjagen und erfischen können. Da dies nicht der Fall war, griff die Selektion mit ihren natürlichen Auslesemechanismen ein. Denn nicht bei allen Menschen dieser Population waren die Auswirkungen der einseitigen Ernährung gleich gravierend. Warum war das so?

Nicht bei jedem waren von Geburt an Sympathikus und Parasympathikus gleich stark ausgeprägt. Es gibt immer einige, bei denen durch natürliche Mutation eine Seite von Geburt an stärker ausgeprägt ist. Nehmen wir einmal an, es kommen Menschen zur Welt, bei denen der Sympathikus von Natur aus stärker ausgeprägt ist, als der Parasympathikus. An sich ist dies eine ungünstige, weil einseitige Situation, doch in diesem Fall hatte sie einen entscheidenden Vorteil. Jedesmal, wenn diese Menschen die örtlich übliche, kohlenhydratreiche Nahrung aßen, kam ihr System wieder für einige Stunden ins Gleichgewicht. Ihr angeborener "Nachteil" wurde durch die Lebensumstände in einen Vorteil umgewandelt. Das angeborene Ungleichgewicht im Autonomen Nervensystem und die vor Ort herrschende einseitige Ernährung glichen sich gegenseitig aus.
Und was bedeutet das für diese Menschen? Sie waren vitaler, energiereicher, fitter und insgesamt gesünder, als andere aus ihrer Gruppe, bei denen der Stoffwechsel durch die vor Ort übliche Ernährung nicht wieder ins Gleichgewicht gekommen war. Nicht nur ihre Überlebenschancen waren besser, auch konnten Sie ihre Erbanlagen erfolgreicher weitergeben. Denn zum einen werden - wenn es um die Fortpflanzung geht - eher Partner bevorzugt, die gesünder und vitaler erscheinen. Dazu kommt, dass bei einem Ungleichgewicht in den homöostatischen Kontrollsystemen die Zeugungs- und Fortpflanzungsfähigkeit abnimmt und die Zahl der Früh- und Fehlgeburten zunimmt. Im Laufe vieler Generationen und einiger Jahrhunderte führt dies dazu, dass es in diesem Gebiet - wir sind nach wie vor in Südindien - vor allem Menschen gibt, bei denen der Sympathikus stärker ausgeprägt ist als der Parasympathikus. Dessen unausgeglichener Stoffwechsel wird aber bei Verwendung der traditionellen Ernährung mit jeder Mahlzeit ausgeglichen und somit ständig im Gleichgewicht gehalten. Der einzige Nachteil: Ihr Stoffwechsel ist nur dann ständig im Gleichgewicht, wenn sie sich entsprechend ihres natürlichen Bedarfs ernähren. Wird die Nahrung so zusammengestellt, dass beide Seiten gleich stark angeregt werden, zeigt sich wieder das angeborene Ungleichgewicht des Autonomen Nervensystems. Und wird sie so gewählt, dass vor allem der Sympathikus gestärkt wird, so wird das Ungleichgewicht sogar noch verstärkt.

Auf diese Art ist - unter spezifischen Klimabedingungen und durch ein "einseitiges" Nahrungsangebot - ein spezifischer Stoffwechseltyp entstanden. Da bei ihm der Sympathikus der stärkere der beiden Zweige ist, bezeichnen wir ihn als Sympathikustyp.

Ein weiteres Beispiel: Südindien ist nur ein Beispiel, an dem sich die Entstehung eines Stoffwechseltyps gut erklären lässt. Als weiteres und noch extremeres Beispiel sollen jene dienen, die sich im kalten Norden Kanadas ansiedelten, die Inuit (Eskimos). Dieses Gebiet wurde erst wesentlich später besiedelt als Indien, vor ca. 15.000 Jahren. Hier ist nicht nur das Klima völlig anders, sondern auch das Nahrungsangebot. Kohlenhydratreiche Nahrungsmittel wie Obst und Gemüse sind selten, man ist vielmehr auf fett- und eiweißreiche Nahrungsmittel wie Fisch, Robben und ähnliches angewiesen, um zu überleben. Die Situation ist völlig anders als in Südindien, gleicht ihr jedoch in einem zentralen Punkt: Die Ernährung ist einseitig und wirkte sich daher einseitig auf das Autonome Nervensystem aus. Fett und Eiweiß regen den Sympathikus an, erzeugen also ein Ungleichgewicht bei jenen, deren beide Zweige auf Grund ihrer Anlagen gleich stark sind.
Wie in der Situation in Südindien kann auch hier ein Gleichgewicht nur erreicht werden, wenn die ständig angeregte Seite im Lauf vieler Generationen schwächer wird. Unter diesen Bedingungen entsteht ein Stoffwechseltyp, bei dem der Parasympathikus stärker als der Sympathikus ausgeprägt ist - der Parasympathikustyp. Um sein Gleichgewicht zu erhalten, braucht er zu jeder Mahlzeit Nahrungsmittel, die den Sympathikus stärken - muss sich also eiweiß- und fettreich ernähren. Selbstverständlich sind die Bedingungen nicht überall so extrem wie in Südindien oder in der Arktis, aber sobald das Nahrungsmittelangebot über viele Generationen einseitig ist, bilden sich überall auf der Welt Sympathikus- und Parasympathikustypen heraus.

Daneben gibt es auch noch eine dritte Möglichkeit. In vielen Klimazonen war das Nahrungsmittelangebot recht ausgewogen, die Anteile an kohlenhydratreichen Nahrungsmitteln auf der einen und an fett- und eiweißreichen Nahrungsmitteln auf der anderen Seite waren ähnlich groß und ähnlich leicht verfügbar. Bei dieser Ernährung werden beide Seiten - Sympathikus und Parasympathikus - gleich stark angeregt, eine Anpassung an ein einseitiges Nahrungsangebot ist also nicht nötig.

Diesen Stoffwechseltyp bezeichnen wir als Balancierten Typ. Doch letztlich muss auch dieser Typ darauf achten, das Gleichgewicht zu erhalten. Er muss dafür sorgen, dass beide Seiten gleich gut unterstützt werden, sonst kommt auch sein System aus dem Gleichgewicht.

Jeder Mensch muss sich, um gesund zu bleiben, immer so ernähren, wie es dem Bedarf des eigenen Stoffwechseltyps entspricht. Wenn es also ausreicht, sich so zu ernähren, wie die eigenen Vorfahren es über Jahrtausende taten, wozu müssen wir dann den Stoffwechseltyp bestimmen? Die Bestimmung des Stoffwechseltyps ist in all jenen Gebieten nötig, in denen Populationen immer wieder durch Einwanderung durchmischt wurden. Es dauert viele Generationen, bis sich in einem Gebiet ein Stoffwechseltyp etabliert. Wenn aber in dieses Gebiet immer wieder neue Populationen mit einwandern, bleibt nie genug Zeit zur Herausbildung eines vorherrschenden Typs, da immer wieder neue Erbanlagen hinzukommen und die Anpassung stören. Desweiteren kommt es schon unter Geschwistern innerhalb einer Familie durch natürliche Variationen im Erbmaterial zu deutlichen Unterschieden im Stoffwechseltyp und dadurch natürlich auch zu völlig anderen Anforderungen an eine gesunde Ernährung. Besonders gut zu beobachten ist dies bei kleinen Kindern, deren Ernährungsverhalten noch nicht durch die Eltern umerzogen wurde und die sich oft noch "instinktiv" richtig ernähren.

Außerdem kann sich der Ernährungstyp auch verändern. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Einseitige Ernährungsformen können die eine oder andere Seite so stark anregen, dass der ererbte Typ verändert wird. Oder ein über längere Zeit andauernder Stress kann den Sympathikus so stark anregen, dass der ererbte Typ in Richtung Sympathikustyp verschoben wird. Bei sehr starkem oder längerem Dauerstress kann es sein, dass der Sympathikus dadurch irgendwann erschöpft (weil er nicht von Natur angeboren stark ausgebildet ist) und so stark geschwächt ist, dass nun der Parasympathikus den Ernährungstyp bestimmt.

 
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